Grenzerfahrung 3.0 – Zwischenspiel: Grüße an die Heimat

Ein paar Bilder mit herzlichen Grüßen in den Iran, nach Pakistan, Nepal, Marokko, Nigeria, Algerien, Somalia und Libyen!

Sie haben es tatsächlich geschafft.
Sie sind immer noch voller Freude und Hoffnung.
Immer noch freundlich, ehrlich und freuen sich über jedes Gespräch.

Manche sind schon seit drei Wochen hier.
Niemand gibt Auskunft wie es nun weitergehen soll, wer ihnen helfen könnte.
Es gibt kein Vor und kein Zurück.
Sie mussten zusehen wie andere Menschen, welche zufällig aus anderen Land kamen, Richtung Westeuropa abreisten.

Grenzerfahrung 3.0 – Vormittag

Mittwoch, 2. Dezember 2015 08:00-13:00 Uhr

Idomeni in Griechenland, ein kleines Grenzdorf mit einem Güterbahnhof, einem Lebensmittelhändler und einer Handvoll Häuser. Die nächste größere Stadt ist Gevgelija auf mazedonischer Seite, die Provinzhauptstadt Thessaloniki ist 70 km entfernt.

Als wir das Lager erreichen, welches im Bahnhof auf und neben den Geleisen liegt, fällt ein durchdringender giftiger Gestank nach verbranntem Kunststoff auf, der wie wir später herausfanden, von brennenden Bahnschwellen stammt. Das Carbolineum mit welchem die Schwellen getränkt sind, ist stark Arsenhältig und darf in der Nähe von Menschen und Lebensmitteln weder gelagert schon gar nicht verbrannt werden. Für die gestrandeten Flüchtlinge sind Feuerstellen mit diesem giftigen Holz jedoch die einzige Möglichkeit, sich in den kalten Nächten aufzuwärmen.

Die Stimmung ist bedrückend, unzählige Menschen halten sich in großen Zelten der UNHCR und Ärzte ohne Grenzen auf, zusätzlich gibt es hunderte kleine Campingzelte, direkt an und zwischen den Gleisen, in der lokalen Müllhalde und auf den Feldern, in denen 2500 Menschen ausharren. Zwischen den Zelten spielen Kinder Fußball. An mehreren Stellen stehen kleine Stromgeneratoren an denen unzählige Netzverteiler hängen, hier werden Handys aufgeladen. Griechische Händler verkaufen Lebensmittel zu günstigen Preisen, aber für viele Menschen hier, trotzdem unbezahlbar.

Vor dem Zaun der seit wenigen Tagen Griechenland und Mazedonien wieder trennt, sitzen einige Flüchtlinge auf den Schienen und warten, viele haben die ganze Nacht durchgehalten; ein Sitzstreik um auf ihre Situation hinzuweisen.

Hinter dem Zaun bereiten sich mazedonische Soldaten auf den kommenden Tag vor. Einige Geländewagen, zwei Schützenpanzer, ein großer Wasserwerfer, martialisches Auftreten zum Schutz der EU.

Die mazedonische Regierung hat die Grenzen komplett dicht gemacht, nur mehr Menschen aus Syrien, Irak und Afghanistan dürfen nach Serbien durchreisen. Sie werden von den griechischen Behörden in Bussen über den offiziellen Grenzübergang außer Landes gebracht.

Perser die vor dem Mullah-Regime flüchten mussten, Pakistani aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan, die vor dem Terror der Taliban und der US-amerikanischen Drohnen flüchten mussten, Nepalesen die durch das große Erdbeben alles verloren und vor dem Nichts standen, kommen nicht mehr weiter.

Später am Vormittag verändert sich die Lautstärke, etwa zweihundert Flüchtlinge versammeln sich am Rand des Lagers und ziehen kurz darauf unter Sprechchören weiter zum Grenzzaun. Die mazedonischen Soldaten werden nervös und verbarrikadieren den letzten Durchgang. Statt Schlagstöcken halten sie Sturmgewehre hinter den Schildern. Der Wasserwerfer fährt auf und zielt auf die Menschen auf griechischer Seite.

Die griechischen Polizisten halten sich im Hintergrund zurück.

Zwei kleine Kinder werden hochgehalten, eines vielleicht zwei Monate alt, es blickt interessiert in die Menge. Die Demonstranten drängen zum Ausgang, die griechische Polizei nimmt Stellung vor den mazedonischen Soldaten auf, sie sind mit Schildern ausgerüstet, die Schlagstöcke bleiben weggesteckt.

Einige Flüchtlinge versuchen die Demonstranten zu beruhigen, stellen sich vor die Menge, versuchen alles um eine Eskalation zu vermeiden. Teilweise mit Erfolg, aber immer mehr Leute drängen nach vorne, es wird lauter, die Stimmung droht zu kippen. Die griechische Polizei drängt nun die Menge zurück,  es ist spürbar, nur ein Funken genügt um hier ein großes Drama an Europas Grenze auszulösen.

Die Lage beruhigt sich so aber so plötzlich wie sie kurz zuvor außer Kontrolle geraten ist. Das ist vor allem auf einige Flüchtlinge zurück zu führen, welche sich der wütenden Menge entgegenstellten.

Wenig später stellen sich die Flüchtlinge zur Suppenausgabe an. Das Lager ist wieder ruhig.

Θεσσαλονίκη im Winter

Morgen erscheint meine Bildreportage über die Situation an der Mazedonisch-Griechischen Grenze.

Davor gibt es heute ein paar Bilder aus Thessaloniki, der Hauptstadt der griechischen Verwaltungsregion Zentralmakedonien, die wir aufsuchten um zu dringend benötigtem Geld zu kommen und auch um Nahrung aufzunehmen.

Climate March Vienna 2015

Am 30. November 2015 beginnt in Paris eine weitere UNO-Weltklimakonferenz, deren Erfolgschancen so wie bei den vorangegangenen Klimagipfel eher gering einzuschätzen ist. Heute wurden zu diesem Anlass weltweit Kundgebungen und Demonstrationen veranstaltet, um zumindest etwas Druck auf die Verhandler auszuüben.

Auch in Wien fanden sich laut Polizeischätzungen 900 und wie vom Veranstalter geschätzt etwa 2.000 Teilnehmer ein, die vor allem für einen Wechsel des Wirtschaftssystems demonstrierten.

Aber immerhin sind schon rund zwei Drittel der Österreicher davon überzeugt, dass der Klimawandel für unser Gesellschaftssystem eine unmittelbare Gefahr darstellt. Ob sich aber die Weltgemeinschaft und dabei vor allem die führenden Industrienationen, welche die Hauptschuld an der beschleunigten Erwärmung unseres Planeten tragen, auf weltweit wirksame aber auch einschneidende Maßnahmen einigen können, ist nach dem Scheitern des vergleichsweise moderaten Kyoto Abkommens zum derzeitigen Zeitpunkt fraglich bzw. unwahrscheinlich. Zu groß ist der Egoismus, zu groß der Einfluss und die Abhängigkeit von Industrie und Wirtschaft.

(Alle Bilder stehen auf Anfrage allen NGO’s pro bono ohne Wasserzeichen zur Verfügung)

Ausstellungseröffnung

Es ist geschafft!

Meine erste Fotoausstellung, gleich mit unglaublich positiven Reaktionen der Besucher.

Die Ausstellung läuft noch weiter, Ihr habt heute Freitag, dann Montag, Dienstag, Donnerstag und nochmals Freitag jeweils von 13 bis 19 Uhr die Möglichkeit Euch die Bilder anzusehen und an der Bar den Spendentopf zu füllen.

Ich danke allen Besuchern und natürlich auch dem gesamten Team der Galerie Lumina in Wien, besonders Peter Sonnleitner, der mir viele wichtige Tips gab und diese Ausstellung erst ermöglicht hat.

 

Faith i Branko

Eine kleine Heimstudiosession im Sommer mit Faith und Branko endete mit einem zukünftigen CD-Cover.

Eine Klangprobe des fantastischen Albums findet Ihr hier.

You’ll Never Walk Alone

Am Samstag den 3. Oktober 2015 setzte Wien ein weltweit unübersehbares Zeichen. Laut Veranstalter zogen etwa 70.000 Menschen in einer friedlichen Demonstration vom Christian Broda Platz über die Mariahilferstraße zum Parlament. Anschließend nahmen über 130.000 Menschen am Konzert unter dem Titel „Voices for Refugees“ am Heldenplatz teil, um für Solidarität und Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen zu demonstrieren.

Eindeutige Statements vieler Künstler und Redner gegen die menschenverachtende Politik der Rechten, verursachten zwar einiges an Polemik bei reaktionären Kommentatoren in der Presselandschaft, aber diese zu erwartenden Reaktion verschwinden in der Menge an positiven Signalen.

Es war wieder ein Tag, an dem man sich freut in dieser tollen Stadt zu leben.

Szenenwechsel

Hegyeshalom – Nickelsdorf – Wien West- und Hauptbahnhof

Gestern waren wir an verschiedenen Schauplätzen. Bei der Fahrt an die ungarisch-österreichische Grenzregion nahe Nickelsdorf verfuhren wir uns und landeten auf der ungarischen Seite. Es war seltsam, absolut kein Verkehr auf der Autobahn in Richtung Österreich. Wir nahmen die Abfahrt Hegyeshalom um dort umzukehren, jedoch war Abfahrt gesperrt. Also beschlossen wir weiter in Richtung der Grenzstadt zu fahren, als uns ein riesiger Flüchtlingstreck begegnete. Wir hielten an und ein junger Mann fragte uns, wohin der Weg führt. Die Antwort „Austria“ ließ sein Gesicht strahlen. Nachdem der Treck vorbeigezogen war, waren auch die Straßensperren verschwunden.

Nächster Halt Nickelsdorf Grenzübergang. Die Stimmung hier war schon um einiges gelöster. Man sah Menschen die endlich wieder lächeln. Geduldig warten sie auf den Transport mit Bussen. Die Angst die in Röszke fast körperlich zu spüren war, ist einer Aufbruchstimmung gewichen. Wir unterhielten uns vielen Menschen, manche fragten wie den die Polizei in Österreich sei, ob sie hier bleiben können, ob sie nach Deutschland weiter können, ein junger Mann fragte in welchem Land er Chancen hat sein Studium für Innenarchtektur zu Ende führen kann. Die Polizei und auch Soldaten verhielten sich absolut freundlich und hilfsbereit, kein Vergleich zu dem Auftreten der ungarischen Behörden. Die Menschen werden versorgt. Mein Komplement den zahlreichen freiwilligen Helfern, den Mitarbeitern des roten Kreuz und alle anderen Hilfsorganisationen vor Ort, Ihr alle macht einen phantastischen Job.

Mit einem schönen Gefühl ging es zurück nach Wien. Am Westbahnhof viele Menschen die auf eine Weiterreise nach Deutschland hoffen. Auch hier unzählige Helfer, geduldige Mitarbeiter der ÖBB, zahlreiche aber ruhige und freundliche Polizisten.

Am Hauptbahnhof warten viele Freiwillige aus Deutschland und den Niederlanden mit PKW und Kleinbussen, welche Flüchtlinge gratis in ihre Länder transportieren. Ein tolle Eigeninitiative meist junger Menschen. Die Hilfsbereitschaft der privater Initiativen ist grenzenlos.