Gelobtes Land

Ein alter Kühlwagen im Burgenland erschüttert Österreich. Ein alter Kühlwagen voller verwester Leichen. 59 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder wollten bloß in Frieden leben. Sie erstickten irgendwo auf dem Weg in das gelobte Land.

2014 starben offiziell 3279 Menschen bei dem Versuch das Mittelmeer zu überqueren. Laut UN-Angaben starben 2015 bereits mehr als 2000 Menschen bei ihrem verzweifelten Versuch auf dem Seeweg das gelobte Land zu erreichen.

Die politischen Vertreter Österreichs zeigen nun ihre große Betroffenheit, vom Bundespräsidenten abwärts bis zum „Führer“ der größten Oppositionspartei, alle sind sie nun betroffen, entsetzt, heucheln ihr Mitgefühl, beteuern ihre Unschuld. Denn die Leichen treiben diesmal nicht bloß ein paar tausend Kilometer entfernt im Meer. Nein – sie standen mitten im Burgenland am Straßenrand.

Nach diesem schändlichen Sommer von Traiskirchen, der die Unfähigkeit der österreichischen Politik gnadenlos ans Licht zerrte, ist das Drama von Parndorf nur ein weiterer tragischer Baustein des politischen Versagens auf ganzer Linie.

Aber es wäre Unfair die Schuld alleine bei unseren lokalen Politikern zu suchen. Es ist ein Versagen der gesamten Europäischen Union. Ein Projekt, dass uns zwar versprach ein Banner der Menschlichkeit zu werden, doch in Wirklichkeit stellte dies bloß ein wirtschaftliches Experiment dar, welches aber auch gerade ziemlich schief läuft.

Würden alle Mitgliedsländer bloß ein Prozent im Verhältnis zu Bevölkerungszahl an Flüchtlingen aufnehmen, wären 3,3 Millionen Menschen in Sicherheit. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus, während Italien und Griechenland, welche wirtschaftlich am Rande des Abgrunds stehen, die größte Zahl an Flüchtlingen zu verkraften haben, Ungarn, Schweden, Deutschland und Österreich an ihren Kapazitätsgrenzen liegen, putzen sich viele andere Länder mit Verweis auf das schändliche herzlose und unmenschliche Dubliner Abkommen einfach ab. Sie verweigern Humanität, sie verweigern Mitgefühl, sie verweigern wofür die Europäische Gemeinschaft stehen sollte, um ja nicht irgendwelche nationalistischen patriotische Gefühle zu verletzen. Es könnte ja sein, dass sie dadurch bei den nächsten Wahlen ein paar Stimmen verlieren und damit den Platz am großen finanziellen Trog.

Es gibt keine Einheit, keinen Zusammenhalt, kein Mitgefühl in der EU, da wie immer jeder sich selbst am nächsten ist. Dazu fällt mir in meiner Wut und Trauer nur eines ein: Schande über Euch!

Gestern sah man wieder einmal für kurze Zeit auf Facebook das Bild des kleinen Mädchens im rosa Gewand, dass tot im klaren Wasser des Mittelmeers treibt. Es wurde wieder recht schnell entfernt, da es ja die Gefühlswelt unserer Gesellschaft in Unordnung bringt. Keine Angst ich poste dieses Bild nicht. Aber ich finde, dieses Bild sollte Politikern in ganz Europa in jedem einzelnen Land jeden Tag vor dem Einschlafen vor die Augen gehalten werden. Vielleicht würden die Albträume, die ich selbst dadurch habe, helfen diesen die Augen der Menschlichkeit zu öffnen.

Tom Vandenbosch schrieb im Mai 2015 zu diesem Bild einen berührenden Text, mit dem ich diesen Beitrag beende.

Tom Vandenbosch

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